Akkretionäre Lapilli aus den Impaktstrukturen Azuara und Rubielos de la Cérida (Spanien)

„Akkretionäre Lapilli“ ist ein Begriff, der ursprünglich allein mit Vulkanismus in Verbindung gebracht wurde. Akkretionäre Lapilli sind Kügelchen, die sich durch Zusammenballung von feiner Asche um kondensierende Wassertröpfchen, aber auch um feste Partikel bilden, insbesondere in dampfreichen Eruptionssäulen. Gewöhnlich zeigen sie einen konzentrischen internen Aufbau, und sie können, wenn sie sich einmal gebildet haben, durch pyroklastischen Rückfall und Fließprozesse transportiert und abgelagert werden. Akkretionäre Lapilli mit einem kleinen Gesteinsbrocken als Kern findet man häufig in basaltischen base-surge-Ablagerungen (armoured lapilli).


Bild 1: Akkretionärer Lapillo (Durchmesser 0,5 mm) aus der basalen
Suevitbreccie in der Azuara-Impaktstruktur (Mayer 1990). Dünnschliffaufnahme,
xx Nicols.

Da ähnliche Prozesse in der turbulenten Explosionswolke ablaufen, die sich beim Impakt „Akkretionäre Lapilli aus den Impaktstrukturen Azuara und Rubielos de la Cérida (Spanien)“ weiterlesen

Regmaglypten auf Klasten von den Puerto Mínguez-Ejekta (multipler Impakt von Azuara, Spanien)

Abb.1. Verblüffend ähnlich: Regmaglypten auf dem Tabor-Meteoriten und auf einer Kalkstein-Komponente aus den Puerto Mínguez-Impaktejekta.

Unter den verschiedenen Deformationsmerkmalen, die die Kalksteinklasten in den Puerto Mínguez-Impaktejekta aufweisen (Striemungen, Eindrückmarken, Rinnen, rotierte Brüche, unregelmäßige Brüche mit komplexen Verzweigungen, Spiegelpolitur usw.) sind Regmaglypten auf den Oberflächen einer großen Anzahl von Klasten eines besonders auffälliges Merkmal (Abb. 1). Sie wurden zum ersten Mal von K. Ernstson (2004) beschrieben, und sie demonstrieren einen Lufttransport einer großen Menge von Komponenten der Ejekta.

Source: Cascadia Meteorite Laboratory, Portland State University

Abb. 2. Ein Meteorit vom Gibeon-Streufeld mit ausgeprägten Regmaglypten.

Regmaglypten (oder Daumenabdrücke) sind ein Relief, das gewöhnlich für die Oberfläche „Regmaglypten auf Klasten von den Puerto Mínguez-Ejekta (multipler Impakt von Azuara, Spanien)“ weiterlesen

Schnitt durch einen Impakt-Kraterrand: Signatur von Exkavation und Modifikation im Kraterbildungsprozeß.

Straßenbauer sind gute Freunde der Impaktgeologen. Ohne ihre Arbeit würden die eindrucksvollen Impakt-Aufschlüsse in den spanischen

Impaktstrukturen von Azuara und Rubielos de la Cérida nicht existieren, und viele der impakt-typischen Gesteine wären nicht entdeckt worden. Innerhalb der letzten Dekade wurden Kilometer über Kilometer neuer geologischer Aufschlüsse geschaffen, und wir erwähnen nur die Straßenanschnitte zwischen Luco de Jiloca und Lechago, am Puerto Mínguez, zwischen Navarrete und Barrachina, zwischen Fuendetodos und Azuara, zwischen Lécera and Muniesa, zwischen Fuendetodos und Jaulín, und viele mehr. Nicht nur die Straßenanschnitte sondern auch die vielen neuen Steinbrüche, die für Straßenbaumaterial aufgemacht wurden, haben neue Aufschlüsse von großer geologischer Bedeutung geschaffen, wie zum Beispiel die Steinbrüche zwischen Belchite und Puebla de Albortón, die vielen temporären Steinbrüche zwischen Navarrete und Barrachina, die großen Steinbrüche von Corbalán, San Blas, Villafranca del Campo, in der Umgebung von Muel, usw.

Lageplan



Die neue Straße über den Kraterrand und ein Blick hinunter in das Rubielos de la Cérida-Impaktbecken.

Erst kürzlich hat der Bau der neuen Straße, die in den südöstlichen Rand des Rubielos de la Cérida-Impaktbeckens im Anstieg zwischen Alfambra/Escorihuela und El Pobo/Cedrillas schneidet, einen atemberaubenden ununterbrochenen geologischen Aufschluß von gegenwärtig 2 km Länge geschaffen. Der Aufschluß vermittelt nicht nur die „Schnitt durch einen Impakt-Kraterrand: Signatur von Exkavation und Modifikation im Kraterbildungsprozeß.“ weiterlesen

Der Impaktit von Jaulín (Azuara, Spanien)

Ungefähr 30 km nördlich vom Zentrum der Azuara-Impaktstruktur (Spanien) nahe der Ortschaft Jaulín (0°59.3′ W; 41°27.2′ N) ist eine eigentümliche Breccie aufgeschlossen. Die bisher geologisch nicht kartierte Breccie ist zwischen fossilreichen jurassischen Kalksteinen und bräunlichen miozänen(?) Gipsmergeln eingeschaltet. Sie liegt diskordant über den mesozoischen Gesteinen (Abb. 1), kann diese durchschlagen (in Form von Gängen, Abb. 2) und korrosiv erodieren (Abb. 3).


Abb. 1. Diskordanter Kontakt zwischen der Jaulín-Breccie und den jurassischen Kalksteinen.

Abb. 2. Eindringen der Breccie in das anstehende Jura-Gestein in Form eines Ganges.

Abb. 3. Korrosionsstrukturen in der Kontaktzone von Breccie und Jura-Gestein. Weder äolische noch Verkarstungs-Prozesse kommen für die Korrosion in Frage, die wahrscheinlich mit einer Dekarbonisierung zusammenhängt.

Bei flüchtiger Betrachtung sieht das grünliche Gestein wie eine massive Knochenbreccie aus (Abb. 4). Die nähere Untersuchung zeigt, daß es sich bei den „Knochen“ um „Der Impaktit von Jaulín (Azuara, Spanien)“ weiterlesen

Neue Varietäten der suevitischen Basalbreccie aus dem Gebiet des multiplen Impaktes in Nordspanien

Diese ungewöhnliche polymikte Breccie, die einheitlich über 120 km Erstreckung immer an der Basis des unverstellten Jungtertiärs auftritt, ist einer der Schlüsselbefunde zu dem tertiärenmultiplen Impakt in Nordspanien. Zu dieser Breccie ist bereits eine Menge gesagt und geschrieben worden (Ernstson & Fiebag, 1992; Ernstson & Claudin 2002, Ernstson et al. 2003; Claudin & Ernstson 2003; http://www.impaktstrukturen.de/suevite/suevitazuara.html,
http://www.impaktstrukturen.de/spain/rubie/Basal.html),

weshalb wir uns hier darauf beschränken, einige neue Varietäten vorzustellen. Sie stehen etwa 2 km nordöstlich von Olalla in der Randzone zwischen der Azuara-Impaktstruktur und dem Rubielos de la Cérida-Impaktbecken an. Wir weisen auf die vorherrschend paläozoischen und triassischen Komponenten hin, auf das Fließgefüge, auf die Halos, die viele Komponenten aufweisen, auf die bemerkenswerte Kohäsion und das „Fitting“ zerbrochener Klasten, auf Breccien-in Breccien, und wir meinen, daß manche der Breccien einfach nur schön anzuschauen sind.

Wir wollen hier aber auch nicht versäumen zu erwähnen, daß Regionalgeologen der Universität Zaragoza und vom Zentrum für Astrobiologie, Madrid, (Ángel Luis Cortés, „Neue Varietäten der suevitischen Basalbreccie aus dem Gebiet des multiplen Impaktes in Nordspanien“ weiterlesen

Karbonat-Psilomelan-Schmelzgestein in der Azuara-Impaktstruktur (NE-Spanien)

 

Aufschluß in Muschelkalk-Dolomit, der von einem dunklen Gang eines Impaktschmelzgesteins durchschlagen wird. Bei Monforte de Moyuela.

 

Der schwarze Gang unter dem Mikroskop: helle Matrix aus Karbonatmineralen (Cc), schwarze Partikel und Gasblasen (gv). Breite der Aufnahme etwa 1 mm.

 

Der vollständige Artikel steht hier:

http://www.uni-wuerzburg.de/mineralogie/schuessler/Monforte-vein.pdf

Akkretionäre Lapilli aus den Impaktstrukturen Azuara und Rubielos de la Cérida (Spanien)

„Akkretionäre Lapilli“ ist ein Begriff, der ursprünglich allein mit Vulkanismus in Verbindung gebracht wurde. Akkretionäre Lapilli sind Kügelchen, die sich durch Zusammenballung von feiner Asche um kondensierende Wassertröpfchen, aber auch um feste Partikel bilden, insbesondere in dampfreichen Eruptionssäulen. Gewöhnlich zeigen sie einen konzentrischen internen Aufbau, und sie können, wenn sie sich einmal gebildet haben, durch pyroklastischen Rückfall und Fließprozesse transportiert und abgelagert werden. Akkretionäre Lapilli mit einem kleinen Gesteinsbrocken als Kern findet man häufig in basaltischen base-surge-Ablagerungen (armoured lapilli).


Bild 1: Akkretionärer Lapillo (Durchmesser 0,5 mm) aus der basalen
Suevitbreccie in der Azuara-Impaktstruktur (Mayer 1990). Dünnschliffaufnahme,
xx Nicols.

Da ähnliche Prozesse in der turbulenten Explosionswolke ablaufen, die sich beim Impakt über dem sich vergrößernden Exkavationskrater ausdehnt, ist es nicht verwunderlich, daß akkretionäre Lapilli auch in Impaktablagerungen gefunden werden. Graup (1981) beschreibt akkretionäre Lapilli aus dem Suevit des Rieskraters. Man findet sie ebenfalls in Auswurfmassen der K/T – Chicxulub-Impaktstruktur in Mexiko (http://www.lpi.usra.edu/meetings/metsoc2000/pdf/5124.pdf,
http://www.lpi.usra.edu/meetings/largeimpacts2003/pdf/4113.pdf) und Belize (http://www.icdp-online.de/news/workshops/abstracts/EGS03/EAE03-J-06925.pdf). Ferner treten sie in Form von Lapillistein-Klasten in der Megabreccie auf, die mit dem spätdevonischen Alamo-Impakt verknüpft ist.

In der Azuara-Impaktstruktur wurden akkretionäre Lapilli zum erstenmal von Mayer (1990) beschrieben. Bild 1 zeigt einen typischen Lapillo aus der Matrix der basalen Suevitbreccie „Akkretionäre Lapilli aus den Impaktstrukturen Azuara und Rubielos de la Cérida (Spanien)“ weiterlesen

Impakt-Spallation: in der Natur und im Experiment:

Spallation (aus dem Englischen eingedeutscht) ist ein wohlbekannter Prozeß in der Bruchmechanik wie auch bei der Impakt-Kraterbildung, und sie ist von vielen Forschern theoretisch und experimentell untersucht worden. Leider ist wenig bekannt, daß Spallation auch in der Natur als real existierendes geologisches Phänomen beobachtet werden kann, und zwar in Impaktstrukturen und ihrer Umgebung. Dieses neue BILD DER WOCHE zeigt bereits bekannte Spallationsmerkmale in Konglomeraten, die um die Azuara/Rubielos de la Cérida-Impaktstrukturen herum anstehen. Für Azuara und Rubielos de la Cérida steht mittlerweile fest, daß sie Teil einer 120 km langen Impakt-Kraterkette in Spanien sind (siehe Ernstson, K., Claudin, F., Schüssler, U. & Hradil, K. (2002): The mid-Tertiary Azuara and Rubielos de la Cérida paired impact structures (Spain). – Treb. Mus. Geol. Barcelona, 11, 5-65 – Vollständigen Artikel hier KLICKEN; und Ernstson, K., Schüssler, U., Claudin, F. & Ernstson, T. (2003): An Impact Crater Chain in Northern Spain. – Meteorite, 9/3, 35-39 – Artikel hier KLICKEN). Wir zeigen ferner bemerkenswerte Spallationsbrüche, die wir erst kürzlich in Ejekta (Pelarda-Formation) dieser Kraterkette entdeckt haben.Spallation tritt auf, wenn ein Schockimpuls auf eine freie Oberfläche oder eine Grenzfläche triftt, hinter der das Material eine geringere Impedanz (= Produkt aus Dichte und Schallgeschwindigkeit) besitzt. Hier wird der Druckimpuls als Zugimpuls reflektiert, was wegen der auftretenden Zugspannungen zu offenen Rissen und/oder zu einem Abplatzen führen kann.

Bemerkenswerte und unübersehbare Spallationseffekte kennen wir aus autochthonen geschockten Buntsandstein-Konglomeraten, die um die Azuara/Rubielos de la Cérida-Impaktstrukturen herum anstehen. Einzelheiten zu diesen geologischen Spallationsmerkmalen sind in Ernstson, K., Rampino, M.R., and Hiltl, M. (2001): Cratered cobbles in Triassic Buntsandstein conglomerates in northeastern Spain: An indicator of shock deformation in the vicinity of large impacts. Geology, 29, 11-14 beschrieben, können aber auch unter http://www.impaktstrukturen.de/spain/schock-deformationen-in-trias-konglomeraten-buntsandstein-in-spanien/ gefunden werden.


Bild A. Subparallele offene Spallationsbrüche in einem geschockten Quarzit-Geröll aus Buntsandstein-Konglomeraten

Bild B. Spallationskrater in einem geschockten Quarzit-Geröll aus Buntsandstein-Konglomeraten

Bild C. Schock-Experiment an einem künstlichen „Konglomerat“.

Bild D

Bild E
Bilder D, E. Konkave Spallation-Bruchflächen in Quarzitblöcken aus der Pelarda-Formation

Die Bilder A und B zeigen typische schock-produzierte Spallationsstrukturen in diesen Quarzitgeröllen aus dem Buntsandstein: subparallele offenen Spallationsbrüche (Bild A) „Impakt-Spallation: in der Natur und im Experiment:“ weiterlesen

An Impact Crater Chain in Northern Spain:

So heißt der Titel eines Artikels, der in METEORITE, The International Quarterly of Meteorites and Meteorite Science, erschienen ist. Für die Leser von METEORITE (aber auch für andere) zeigen wir die SW-Abbildungen des Artikels hier original in Farbe.

 


Fig. 1. Location map for the Azuara – Rubielos de la Cérida impact crater chain (frame in Fig. 2) and suspected impact locations (A, B, C).

Fig. 2. The topography of the Azuara/Rubielos de la Cérida crater chain (from the digital map of Spain, 1 : 250,000; provided by Manuel Cabedo).


Fig. 3. Photomicrograph of strongly shocked quartz from the Rubielos de la Cérida basin.


Fig. 4. Part of the central uplift chain emerging from the
Rubielos de la Cérida impact basin.


Fig. 5. The crater rim in the southern part of the impact chain.


Fig. 6. Megabreccia and polished friction plane in the southern part of the central-uplift chain.


Fig. 7. Impact breccia (suevite) exposed in the southern part of the central-uplift chain.


Fig. 8. Probable impact ejecta near Peñacerrada (location B in Fig. 1).

Ries-Impaktstruktur: Bunte Breccie über Malm-Kalksteinen mit großer Schliffläche

Der 15 Mill. Jahre alte Ries-Krater mit einem Durchmesser von 26 km gehört zu den wenigen großen irdischen Impaktstrukturen, die eine gut erhaltene Decke aus Auswurfmassen besitzen. Der Name der „Bunte Breccie“ genannten Ejekta leitet sich aus dem lebhaften Farbspektrum von intensiv miteinander vermengten Breccienkomponenten aus grünen, dunkelgrauen, violetten, roten und gelblichen Tonen, weißen Kalksteinen, Sandsteinen unterschiedlichster Farbe, Gesteinen des kristallinen Grundgebirges und sogar organischem Material (Holzkohle; vermutlich aus lokalem Material bei der Landung untergemischt). Die Bunte Breccie spiegelt
den Hauptanteil des aus dem Krater ausgeräumten Material wider und stellt mehr als 90 % der Ejekta außerhalb der Kraterrandes dar.
 A  B
Bild A zeigt das typische Aussehen der Bunten Breccie im Steinbruch Gundelsheim, der etwa 20 km vom Kraterzentrum entfernt liegt. In diesem Steinbruch wird die Bunte Breccie als Abraum nach und nach beseitigt, um Malmkalkblöcke abbauen zu können. Dabei werden eindrucksvolle Schlifflächen freigelegt (Bild B), die bei der ballistischen Landung der Bunte Breccie-Ejekta den kompetenten Malm-Kalksteinen aufgeprägt wurden. Ähnliche Schliffe findet man um den ganzen Krater herum, und eine statistische Auswertung ihrer Streichrichtungen zeigt, daß sie radial vom Kraterzentrum nach außen weisen. (Mehr zur Rolle des ballistischen Auswurfs steht bei Hörz, F.(1982) Ejecta of the Ries Crater, Germany. – Geol. Soc. Am. Special Paper 190, 39-55.)