Impakt-Bild der Woche

Wir werden hier in Zukunft in grob wöchentlicher Folge interessante Bilder – megaskopisch bis mikroskopisch – aus der Welt unserer Impaktforschung präsentieren. Ein kleiner, begleitender Text erläutert die Darstellung, und, wo angebracht, werden Links zu weiterführenden Seiten genannt. Neues Bild (11.5. 2019):

Wie sich geologische Vorstellungen ändern können: Über 150 Jahre – das Nördlinger Ries als vulkanischer Explosionskrater.

Bild aus Das Problem des Rieses (Hg. Oberrheinischer geologischer Verein), 291 S. Verlag der Stadt Nördlingen, 1926.    

Die Wandlung vom Ries-Vulkan zum Impakt-Krater nach der Entdeckung der SiO2-Hochdruckmodifikationen Coesit und Stishovit 1960 und der letztlich beweisenden voll gekernten Tiefbohrung im Inneren des Kraters 1973 erfolgte keineswegs spontan. 1985 (!), auf dem Internationalen Workshop über „Katastrophen in der geologischen Vergangenheit“ in Parys/Vredefort (Südafrika) werden in einem Beitrag von Prof. Nicolaysen Nördlinger Ries und Steinheimer Becken als vulkanische Strukturen gedeutet. In Nicolaysens Institut in Johannesburg verlangt der Mitarbeiter W.-U. Reimold als Peer-Reviewer, dass in Proceedings-Artikeln des Workshops das Ries als mögliche Impaktstruktur bezeichnet wird. 1985!

2003 (!) gibt es auf der Tagung der Geological Society of America eine Präsentation, in der dem Rieskrater ein Diatrem-Ursprung zugeschrieben wird.

Bis auf den heutigen Tag geistert die umfangreiche Webseite eines Geologen durch das Internet, die Impakte und Impakt-Gläser mehr oder weniger grundsätzlich ablehnt, darunter auch den Suevit mit seinen Gläsern als Impaktgestein. Auf einen Link wird hier verzichtet.

*******************************************************

Impakt-Krater im Saarland

Saarlouis Impaktkrater Ringwall Saarlouis Impakt-Struktur

Halbkrater in der Stadt Saarlouis, 2,3 km Durchmesser; typischer Ringwall-Querschnitt. Ausräumung der anderen Hälfte durch Saar und Saar-Tal.

Nalbach (Saarland) Impakt-Krater

Erosiv angeschnittener Nalbach-Krater; 200 m Durchmesser, typischer Ringwall.

Mineralogisch-petrographische Impaktmerkmale bei den Saarland-Impakten:

große Variabilität an polymikten Impakt-Brekzien, Suevite, Impakt-Schmelzgesteine und Gläser; stärkste Schock-Metamorphose (diaplektische Gläser aus Quarz und Feldspäten, komplett in diaplektisches Glas umgewandelte Quarzite, Ballen-Strukturen, getoasteter Quarz, PDFs in Quarz, multiple Scharen von PFs in partiell diaplektischen Quarzkristallen, intensivste Knickbänderung und multiple Scharen von PDFs in Glimmer), Cristobalit, Tridymit.

Links zu Publikationen: Diplomarbeit Universität Tries,  Anschauungsmaterial Saarland-Impakt, LPSC 2015, Poster LPSC 2018 , erste Altersdatierung,

Bemerkenswert: Die deutsche Impaktforschung (z.B. Naturkunde-Museum Berlin), für die ganz offensichtlich nur Ries und Steinheimer Becken als deutsche Impakt-Krater existieren, zeichnet sich – wie beim Chiemgau-Impakt und neuerdings beim Niederrhein-Impakt – durch absolutes Desinteresse aus.

****************************************************************
Bodenradar-Messungen, Meteoritenkrater im Chiemgau-Impaktstreufeld

Radargramm von einem diametralen Profil über den 004-Krater im Chiemgau-Impaktstreufeld. (Center-Frequenz 25 MHz mit modulierten 200 MHz, Daten von P. Kalenda und R. Tengler). Das Radarbild zeigt eindrucksvoll Details der Krater-Bildung in einem quartären lehmig-kiesigen Untergrund, wobei bisher der Prozess der Kraterbildung keineswegs voll verstanden wird.

Impaktursprung bewiesen durch Impakt-Schmelzgesteine in einem stark aufgeheizten Halo von ca. 20 m Durchmesser um den Krater, sowie starke Schock-Effekte (Schock-Metamorphose) wie planare Deformationsstrukturen (PDFs) in Quarz und Feldspat und aus Quarz entstandenes diaplektisches Glas. Auch die mehrere Meter tiefen Radar-Reflexionen schließen menschliches Wirken aus. Link Poster LPSC 2019 

******************************************************************************+

Impakt: Schock-metamorphes organisches Material. A, B glasartiger Kohlenstoff, B frisch gebrochen, magnetisiert. C-G Diatomeen-Skelette in Probe B (REM). H Cyanobakterien in Probe B (REM). I eisenhaltige Einschlüsse in Probe B (Maßstab Stecknadelspitze). J, K Einschlüsse von I im REM, (magnetotactic algae?) Herkunft der Proben: Kraterstreufeld des Chiemgau-Impaktes. Deutung: Unmittelbare PT-Schock-Inkohlung höchster Stufe von organischem Material (z.B. Torf im Chiemsee-Bereich). Abstract zum Poster  Link

****************************************************************************

Luftbild des imposanten Bruchmusters, das beim Impakt des Rubielos de la Cérida-Impaktbeckens (Spanien) in den Jura-Kalksteinen (Dogger/Malm) der Zentralberg-Kette (central uplift) entstand. Mindestens fünf sich kreuzende Bruchscharen können identifiziert werden, die das Gestein in im Mittel nur etwa 5 m große Blöcke zerteilen. Das helle Band ist eine Ackerfläche. Bild: Google Earth.- 7.3. 2019 – Bild vergrößern.