Neuer Artikel zum Chiemgau-Impakt: der Chiemit-Impaktit

Keywords astrobiology  diamond  carbyne  coalification  carbonization  meteorite impact  chiemite

Abstract
Unusual carbonaceous matter, termed here chiemite, composed of more than 90% C from the Alpine Foreland at Lake Chiemsee in Bavaria, southeastern Germany has been investigated using optical and atomic force microscopy, X‐ray fluorescence spectroscopy, scanning and transmission electron microscopy, high‐resolution Raman spectroscopy, X‐ray diffraction and differential thermal analysis, as well as by δ13C and 14C radiocarbon isotopic data analysis. In the pumice‐like fragments, poorly ordered carbon matter co‐exists with high‐ordering monocrystalline α‐carbyne, and contains submicrometer‐sized inclusions of complex composition. Diamond and carbyne add to the peculiar mix of matter. The required very high temperatures and pressures for carbyne formation point to a shock event probably from the recently proposed Holocene Chiemgau meteorite impact. The carbon material is suggested to have largely formed from heavily shocked coal, vegetation like wood, and peat from the impact target area. The carbonization/coalification high PT process may be attributed to a strong shock that instantaneously caused the complete evaporation and loss of volatile matter and water, which nevertheless preserved the original cellular structure seen fossilized in many fragments. Relatively fresh wood encapsulated in the purported strongly shocked matter point to quenched carbon melt components possibly important for the discussion of survival of organic matter in meteorite impacts, implying an astrobiological relationship.

Chiemgau-Impakt: Stand der Forschung 2017 – ausführlicher Artikel

In der renommierten Zeitschrift für Anomalistik, Band 17 (2017), S. 235 -260, ist kürzlich ein umfassender Artikel (mit Peer review) über den gegenwärtigen Stand der Forschungen zum Chiemgau-Impakt erschienen : [English translation of the German original click HERE]

Kosmische Kollision in der Frühgeschichte
Der Chiemgau-Impakt: Die Erforschung eines bayerischen Meteoritenkrater-Streufelds

von Michael Rappenglück, Barbara Rappenglück, Kord Ernstson

Zusammenfassung – „Chiemgau-Impakt“ bezeichnet ein Ereignis, das sich in der Bronze-/Eisenzeit mit der Schaffung eines großen Meteoritenkraterstreufeldes durch den Einschlag eines Kometen/ Asteroiden in Südostbayern abgespielt hat. Die Forschung ist von Anfang an interdisziplinär an- gelegt und umfasst u.a. Geologie, Geophysik, Limnologie, Archäologie, Mineralogie, Speläologie, Astronomie und historische Wissenschaften. Die Forschungsergebnisse zeigen, dass sich im Gebiet zwischen Altötting, dem Chiemsee und dem Alpenrand eine große Katastrophe abgespielt haben muss. Funde von exotischem Material, das teilweise nur in Meteoriten vorkommt, durch höchste Drücke und Temperaturen und Einwirkung von Säure extrem beanspruchte und veränderte Gesteine, verschiedenste ganz ungewöhnliche Kohlenstoff-Modifikationen, Nanodiamanten, geophysikalische Anomalien, enorme, weit verbreitete Bodendeformationen und viele andere Auffälligkeiten können durch die Hypothese eines nacheiszeitlichen Impakts stimmig erklärt werden. Sämtliche in der Forschung geforderten Impaktkriterien konnten nachgewiesen werden. Der Einschlag verbunden mit einem großen Air Blast hat erhebliche regionale und wohl auch überregionale Wirkungen hervorgerufen. Menschen nicht nur aus der Region des Chiemgaus waren Augenzeugen des faszinierenden, schockierenden und verstörenden Ereignisses. Möglicherweise wurden recht genaue Beschreibungen des Ablaufs und der regionalen Auswirkungen sogar im antiken griechischen Mythos des jugendlichen Sonnenwagenfahrers Phaeton geschildert. Der Beitrag erläutert den heutigen (2017) Kenntnisstand und geht kurz auch auf die Forschungsgeschichte ein.

Die Veröffentlichung in der Zeitschrift für Anomalistik hat ihren besonderen Grund und Reiz. Dazu zitieren wir aus dem Vorwort des Herausgebers Gerhard Mayer (Gesellschaft für Anomalistik) zum Band 17:

“ … Wissenschaftliche Anomalistik, und dies wird hier ein weiteres Mal sehr deutlich, ist ein multidisziplinäres Unterfangen mit einer großen thematischen Vielfalt und Heterogenität. Denn in jeder Disziplin stößt man auf Anomalien, die aufgrund ihrer besonderen Natur aus dem Rahmen des Üblichen fallen. Sie werden in der Regel vom Mainstream ignoriert, gemieden oder bagatellisiert, und nur wenige unvoreingenommene Forscher wenden sich ihnen zu. Solche Anomalien fallen dann in den Bereich der wissenschaftlichen Anomalistik.

Nicht immer jedoch ist es für einen Außenstehenden einfach zu verstehen, warum eine wissenschaftliche These sozusagen „ausgestoßen“ wird, warum sie nicht Gegenstand einer seriösen wissenschaftlichen Untersuchung werden soll, warum sie nach Ansicht des akademischen Mainstreams nicht die Mühen der Auseinandersetzung lohnt, weswegen diejenigen Wissenschaftler, die anderer Ansicht sind, im besten Fall schräg angesehen, im schlimmeren als unseriös und pseudowissenschaftlich diffamiert werden. …. So kann man bei Pohl & Zöhn (2017: 162-163), durchaus nachvollziehbar, lesen: „Wir konnten die ‚anomalistischen Aspekte‘ der Hypothese zunächst nicht ergründen. ‚Anomal‘ schien uns vor allem die Tatsachen, dass das wissenschaftliche Establishment mit Michael Rappenglücks ‚einschlagenden‘ Argumenten offensichtlich Probleme hat.“ Sie beziehen sich dabei auf den Vortrag „ChiemGAU – Bombardement aus dem All“, der die Basis für den ersten Aufsatz dieser Ausgabe bildet. Dort wird the Theorie des sogenannten ‚Chiemgau-Impakts‘ vorgestellt, der einen von den Autoren vermuteten Kometen- oder Asteroiden-Einschlag in Südostbayern postuliert. Bestimmte Landschaftsformationen sollen damit in einem von den gängigen Annahmen abweichenden Modell erklärt werden. Dafür führen sie eine ganz Reihe plausibler und nachvollziehbarer Argumente an – zumindest was die chemischen, physikalischen – allgemein: materiellen Befunde anbelangt. Zu Recht also stellt man sich die Frage, weshalb eine solche Theorie aufgrund einer entsprechenden Behandlung durch den Mainstream in den Bereich der Anomalistikforschung gelangt. Offenbar werden hier Grenzen des gewohnten und liebgewonnenen Erklärungsraums (Deutung der Formationen als Relikte der letzten Eiszeit) der üblicherweise mit diesen Themen befassten Wissenschaftler überschritten. … “

Lunar & Planetary Science Conference (LPSC) 19. – 23. März, 2018, The Woodlands, Texas, USA – Poster Präsentationen über neue Impakte

Auf der renommierten, jährlich stattfindenden Lunar & Planetary Science Conference gibt es u.a. die folgenden Poster-Präsentationen zu neuen bzw. neu vorgeschlagenen Impakt-Ereignissen, davon zwei allein in Deutschland. Mit Nördlinger Ries, Steinheimer Becken und Chiemgau-Impakt wären das dann fünf Großmeteoriten-Einschläge auf deutschem Gebiet. Erwähnens- und bemerkenswert dabei ist, dass die Entdeckung von Chiemgau-Impakt, Saarland-Impakt und Niederrhein-Impakt ursprünglich auf Amateure in der Impaktforschung zurückgeht. – Poster und Abstract-Artikel können unten angeklickt werden.

M. Molnár, P. Švanda, L. Beneš, K. Ventura, K. Ernstson: Asphaltic (Bituminous) Breccias with Carbolite (Carbon Allotrope) and Ballen Structures in Silica as Indicative of Thermal Shock: More Evidence of a Holocene Meteorite Impact Event in the Czech Republic, Poster     Abstract

A. Ure, R. Westaway, D. R. Bridgland, T. Demir, K. Ernstson: Impact Hypothesis for the Kaş Bay Structure (Turkey/Greece) StrengthenedPoster       Abstract

R. Fox, K. Ernstson: In Honor of Doctor Robert E. Cohenour, the Great Salt Lake Astrobleme (GSLA), Revisited, Poster      Abstract

K. Ernstson, W. Müller, A. Gawlik-Wagner: The Saarlouis Semi Crater Structure: Notable Insight into the Saarland (Germany) Meteorite Impact Event Achieved, Poster    Abstract

G. Waldmann, F. Herten, M. Hiltl, K. Ernstson: The Enigmatic Niederrhein (Germany) Deposit: Evidence of a Middle-Pleistocene Meteorite Impact Strewn Field, Poster  Abstract

Der Meteoritenkrater Steinheimer Becken, der Meteorit und das angebliche Pallasit-Projektil: Wunschdenken oder wissenschaftliche Nüchternheit?

Der Meteoritenkrater Steinheimer Becken, der Meteorit und das angebliche Pallasit-Impaktprojektil: Wunschdenken oder wissenschaftliche Nüchternheit?

K. Ernstson, Fakultät für Philosophie I, Universität Würzburg

Zusammenfassung. Als große wissenschaftliche Besonderheit wird der Fund eines kleinen Pallasit-Steinmeteoriten, der durch Zufall in einem ausgestellten Kalksteinblock des Impaktkratermuseums in Steinheim entdeckt wurde, gemeldet und dieser als Bruchstück des Meteoriten angesehen, der vor etwa 15 Mill. Jahren den Krater schuf. Wahrscheinlicher ist, dass der kleine Brocken ein fossiler Meteorit aus dem Oberen Jura (vor etwa 150 Mill.Jahren) ist, so wie es z.B. beim Österplana 65-Meteoriten der Fall ist, der sich seit dem Ordovizium vor 470 Mill. Jahren in südschwedischen Kalksteinen erhalten hat. Mit dem Fund einhergehende voreilige Spekulationen über eine Eigenständigkeit des Steinheimer Beckens unabhängig vom Nördlinger Ries sind unangebracht.

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In den astronews vom 13.9. 2017 und in mehreren Medien wird eine Pressemitteilung über eine angebliche „riesige Sensation“ (Heidenheimer Zeitung) veröffentlicht, die sich auf einen ungewöhnlichen Fund im Meteorkratermuseum in Steinheim am Albuch bezieht. Dieser Fund war auch bereits Gegenstand eines Abstract-Artikels bei der diesjährigen Tagung der Meteoritical Society in Santa Fe. Die Autoren E. Buchner, M. Hölzel, M. Schmieder, M. Rasser, J. Fietzke, M. Frische und  S. Kutterolf berichten über einen Zufallsfund eines etwa zwei Zentimeter großen Pallasit-Meteoriten, der aus einem im Museum ausgestellten jurassischen Kalksteinblock mit Shattercones herauspräpariert worden war.

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Artikel: Das Digitale Geländemodell in der Impakt-Forschung

DGM 1 Meteoritenkrater

Das in Deutschland bei sehr vielen Ingenieur- und Geologie-Büros nicht bekannte und allenfalls selten benutzte Digitale Geländemodell (DGM) mit seinen fantastischen Möglichkeiten in Geologie, Hydrogeologie und Ingenieur-Geophysik wird in dem Artikel als Beispiel für eine spezielle Anwendung in der Impaktforschung dargestellt, wo es bisher von der sogenannten „impact community“ offensichtlich auch noch nicht wahrgenommen wurde. Grundlage sind LiDAR-Daten der Erdoberfläche in einem regelmäßigen Raster bis hinunter zu 1 m bei einer Höhenauflösung von 20 cm (DGM 1) – mit Interpolation auch geringer. Damit können besondere Merkmale insbesondere junger Meteoritenkrater präzise aufgedeckt werden, die bei Geländearbeiten und in topographischen Karten niemals erkannt werden. Unschätzbare Eigenschaft des DGM: Die reine Erdoberfläche wird unabhängig von Vegetation und selbst in dichten Wäldern vermittelt. (X,Y,Z)-Dateien werden zu sehr passablen Preisen von den zuständigen Ämtern geliefert (in NRW auch kostenlos zum Herunterladen) und können mit einem Daten-Processing (Filterverfahren, Gradientenbildungen etc.) zu diversen Kartendarstellungen und Gelände-Profilen führen.

Der Artikel kann HIER angeklickt und heruntergeladen werden. Quellenmaterial (Daten des Digitalen Geländemodells): Geobasisdaten Bayerische Vermessungsverwaltung

Neues aus der Welt der Impaktstrukturen, Meteoritenkrater und verwandter Themen – Folge 5

Das Tunguska-Ereignis von 1908 und der Cheko-See – gehört beides zusammen?

Über das Tunguska-Ereignis im Jahr 1908 müssen hier nicht mehr viele Worte verloren werden. Obgleich immer wieder  Aussenseiter-Hypothesen (teilweise in fragwürdigen  TV-Dokumentationen) propagiert werden, ist die Wissenschaft heute davon überzeugt (und das wohlbegründet), dass es sich um eine Impakt-Explosion eines Kometen oder Asteroiden in der Atmosphäre gehandelt hat. Das Hinterfragen von „Mainstream“-Ansichten bzw. Lehrbuch-Wissen hat grundsätzlich Berechtigung in der Wissenschaft, aber im Fall der kosmischen Tunguska-Explosion hat es bisher keine der Alternativ-Hypothesen (vom explodierten Mückenschwarm, über Methangas-Explosion bis hin zum gestrandeten Raumschiff) geschafft, ernsthaft an der allgemein akzeptierten Vorstellung zu kratzen.

Etwas anders verhält es sich mit einer Forschung im Zusammenhang mit dem Tunguska-Ereignis. Um die Jahrtausendwende unternahm eine italienische Forschergruppe aus Bologna unter der Leitung von Luca Gasperini eine Forschungsreise in das damalige Katastrophengebiet zu einem schüsselförmigen See (dem Cheko-See) mit einem Durchmesser von etwa 500 m. Er liegt grob 8 km entfernt vom damaligen Zentrum der Zerstörungen am Grund und wurde von der Bologna-Gruppe dann als der zum Tunguska-Ereignis gehörende Einschlag-Krater gedeutet, was vor allem auf geophysikalischen Messungen (Seismik, Geomagnetik) basierte. 2007 wurde über einen solchen möglichen Zusammenhang ein Artikel publiziert (L. Gasperini et al. (2007): A possible impact crater for the 1908 Tunguska Event, Terra Nova, 19, 245–257), der im Jahr darauf – man möchte fast sagen – prompt eine Entgegnung mit Ablehnung aus der etablierten Impakt-Forschung zur Folge hatte (Collins, G.S., Artemieva, N., Wünnemann, K., Bland, P.A., Reimold, W.U. and Koeberl, C. (2008): Evidence that Lake Cheko is not an impact crater. Terra Nova, 20, 165–168). Weltweit berichteten die Medien über die Auseinandersetzung, die aber bald völlig in den Hintergrund trat und eine Entscheidung – für oder dagegen – offen ließ.

Nunmehr, am 23 Januar 2017 berichtet The Siberian Times in der Wissenschaftssparte über einen neuen Anlauf russischer Wissenschaftler aus Krasnoyarsk und Novosibirsk, den Ursprung des Cheko-Sees zu klären und sich mit der Hypothese der Italiener auseinanderzusetzen. Bei den neuen Untersuchungen ging es um das Alter der Sedimente am Seeboden, das offensichtlich mit der Radiokarbon-Methode (radioscopic analyses im Originaltext) zu 280 Jahren für die tiefsten Sedimente bestimmt wurde. Damit wäre der See älter als das Ereignis. Ein vollständiger Artikel dazu soll im Sommer erscheinen. Falls sich die Radiokarbon-Datierung als das Hauptargument herausstellen sollte, müssen schon jetzt Bedenken angemeldet werde. Es ist kein Geheimnis, dass 14C-Datierungen von sehr jungen Impakten vielfach erheblich falsche Ergebnisse gezeitigt haben, und die Gründe sind nicht schwer auszumachen. Durch die extremen physikalischen Bedingungen mit extremen Temperaturen und extremen Drücken, vermutlich mit Plasma-Bildung verknüpft, kann es zu erheblichen Verschiebungen im Gleichgewicht der Kohlenstoff-Isotope kommen – und damit zu absoluten Fehlbestimmungen des Alters von Impakt-Strukturen/Meteoritenkratern.

So weit so gut. Oder auch nicht. Die russischen Forscher werden damit umzugehen haben; dagegen auf einer anderen Ebene liegt diese fehlgeleitete Wissenschaft(?):  Wir erinnern an die unsägliche Radiocarbon(14C)-Datierung am Tüttensee-Meteoritenkrater des Chiemgau-Impaktes, die das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU), Abteilung Geologie, im Jahr 2010 vorgenommen hat, worüber wir an anderer Stelle ausführlicher berichtet haben unter dem Titel:

Der Chiemgau-Impakt: die irreführende Bohrung des LfU, die Internet-Diskussion und Wikipedia

oder: Wie Verfälschungen in der Wissenschaft funktionieren.

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