Rubielos de la Cérida Basalbrekzie

Basale Suevitbrekzie im Rubielos de la Cérida Impaktbecken

Der Begriff „Basalbreccie“, ursprünglich für Gesteine aus der Azuara-Impaktstruktur geprägt (siehe http://www.impaktstrukturen.de/?page_id=257), bezieht sich auf den Umstand, daß diese bemerkenswerte Breccie stets an der Basis des post-impaktitischen (und post-alpidischen), tektonisch nicht mehr merklich beanspruchten Jungtertiärs angetroffen wird. Der bis zu 20 m mächtige, horizontal geschichtete Breccienkomplex liegt immer diskordant auf den verstellten Schichten, im Kontakt miteinander verzahnt ohne jeden Aufarbeitungs- und Bodenbildungshorizont. Paläozoische und mesozoische Komponenten tragen zu den scharfkantigen (gelegentlich gerundeten) Komponenten bei, die in eine extrem harte und außergewöhnlich fest zementierte karbonatische Matrix (vielfach mit Fließgefüge) eingebettet sind.

Komponenten, die selbst Breccien sind (Breccien-in-Breccien), werden häufig beobachtet. Vielfach zeigen Kalkstein- und Dolomitklasten ein skelettartiges und blasiges Gefüge, manchmal in dem Maße, daß nur eine Rinde der Komponente erhalten ist, wobei die Höhlung Reste eines weißen Pulvers enthält. Hochtemperatur-Dekarbonatisierung, die Bildung von Karbonatschmelze sowie anschließende Rekombinationsprozesse sind wahrscheinlich die Ursache. Aus Röntgenfluoreszenz- und Röntgendiffraktometeranalysen sowie Dünnschliffuntersuchungen schließt Mayer (1991) auf eine anteilige amorphe Phase von SiO2 in der Matrix (bis zu 10%). Es ist anzunehmen, daß es sich dabei um feinst verteiltes Glas handelt. In wenigen Fällen können in der Basalbreccie Glaspartikel unter dem optischen Mikroskop erkannt werden.

Abb. 1. Basalbrekzie diskordant über steil einfallenden Jura-Kalksteinen. Rubielos de la Cérida-Zentralbergkette, Sierra Palomera.

In den Mineralen silikatischer Komponenten können häufig Schockeffekte beobachtet werden. Am auffälligsten ist das häufige Auftreten von diaplektischem Quarz in der Basalbreccie (Mayer 1991). Zur Bildung von diaplektischem Quarz werden Schockdrücke über 15 GPa (150 kbar) benötigt (Bunch et al. 1968). Planare Deformationstrukturen (PDFs) sind relativ selten, aber multiple Scharen planarer Brüche (PFs, Spaltbarkeit) in Quarz, multiple Scharen von Mikrozwillingen in Calcit sowie starke Knickbänderung in Glimmern beweisen durchgehend moderaten Schock in der Basalbreccie. Gemäß der geläufigen Klassifizierung und Nomenklatur von Impaktgesteinen (IUGS Subcommission on the Systematics of Metamorphic Rocks, Study Group for Impactites) nennt man diese polymikte Basalbreccie mit geschockten Komponenten und Glasanteilen einen Suevit oder eine Suevitbreccie.

Da die Matrix der Basalbreccie in den meisten Fällen eine dominierend karbonatische Zusammensetzung besitzt, müssen wir auch eine Kristallisation aus einer Karbonatschmelze in Betracht ziehen. In diesem Fall sollte man im Einklang mit der IUGS-Nomenklatur die Basalbreccie besser als Impakt-Schmelzgestein bezeichnen. Eine klare Unterscheidung ist jedoch schwierig, da auch eine Koexistenz von Matrix, abgeleitet aus einer Schmelze und abgeleitet aus einer Akkumulation klastischen Materials nicht ausgeschlossen werden kann.

Eine Breccie mit vergleichbarer Fazies und in derselben stratigraphischen Position ist auch im Rubielos de la Cérida-Impaktbecken sehr häufig anzutreffen. Man findet sie in der Zentralbergkette, im Bereich der Beckenränder sowie in den Beckenniederungen dazwischen, wo mesozoische Gesteine aus der känozoischen und quartären Beckenfüllung herausragen. Die fast allgegenwärtige, stratigraphisch einheitlich positionierte basale Suevitbreccie, die über eine Entfernung von grob 120 km vom

nördlichen Teil der Auara-Struktur bis in den südlichsten Teil des Rubielos de la Cérida-Impaktbeckens ansteht, ist ein zwingender Befund für die Annahme eines multiplen Impaktes durch einen zerbrochenen Asteroiden oder Kometen (siehe http://www.impaktstrukturen.de/Archiv/archiv.html ).

Regional-Geologen, die den Impaktursprung für Azuara und Rubielos de la Cérida leugnen (M. Aurell, E. Díaz-Martínez, A. L. Cortés, und andere), erklären, daß die Basalbreccie entweder ein Konglomerat (!), ein lakustrisches Sediment oder Caliche sei. Mit Blick auf die nachfolgenden Bilder und die stratigraphisch einheitliche Stellung der Breccie über eine Distanz von 120 km, mag der/die Leser(in) selbst entscheiden, was er/sie von deren Interpretationen hält.

Die suevitische Basalbrekzie im Aufschluss

Abb. 2. Basalbrekzie in scharfem Kontakt über der Utrillas-Formation (Kreide). Bei Fuentes Calientes, östliche Beckenregion.

Abb. 3. Nahaufnahme des Kontaktes Basalbrekzie über Utrillas-Sandstein; bei Fuentes Calientes.

Abb. 4. Die suevitische Basalbrekzie von Abb. 1, 2 in Nahaufnahme. Die stark korrodierten Komponenten spiegeln intensive Dekarbonatisierung und/oder Karbonatschmelzen wider. Die Zersetzung, die sich offensichtlich auf das Innere der Klasten beschränkt, wird bisher nicht völlig verstanden, aber wir schlagen zwei Möglichkeiten vor, die sich nicht gegenseitig ausschließen müssen. Die Klasten gehörten zu Konglomeraten des Unteren Tertiär im Einschlaggebiet, und sie erfuhren eine Schockkonzentration im Inneren der Gerölle durch Schockwellen-Reverberation und Fokussierungseffekte. Die andere Möglichkeit sieht eine Schock-Erhitzung der Gerölle und eine schnelle Abkühlung beim der Exkavation mit der Folge, dass nur das Innere dekarbonatisiert und geschmolzen wurde. Ganz ähnlich korrodierte Klasten werden häufig in Impaktablagerungen von Azuara und Rubielos de la Cérida beobachtet.

Abb. 5. Basalbrekzie (rötlich-bräunliche Farbe) diskordant über stark zertrümmerten Muschelkalk-Kalksteinen. Südöstlicher Randbereich, zwischen El Pobo und Corbalán.

Abb. 6. Basalbrekzie (rötliche Farbe) über mega-brekziierten Muschelkalk-Kalksteinen. Zentralbergkette, nordöstlich der Ortschaft Caudé.

Abb. 7. Die Basalbreccie in Nahaufnahme. Zentralbergkette, nordöstlich von Caudé. Man beachte die großen Klasten, die ausgesprochenes Fließgefüge anzeigen.

Abb. 8. Brekziengenerationen der Basalbrekzie (siehe unterhalb des Hammerkopfes). Zentralbergkette, nordöstlich von Caudé.

Abb. 9. Brekzientasche in der Basalbrekzie. Zentralbergkette, nordöstlich von Caudé.

 

Anschnitte der suevitischen Basalbrekzie von verschiedenen Vorkommen 

Abb. 10. Basalbrekzie von der südlichen Zentralbergkette bei Celadas.

Abb. 11. Basalbrekzie von der östlichen Zentralbergkette bei Camañas. Man beachte das Fließgefüge und die größeren Komponenten, die danach eingeregelt sind. Die rötliche Farbe vieler Kalksteinfragmente ist vermutlich das Ergebnis erhöhter Temperaturen.

Abb. 12. Basalbrekzie von der östlichen Zentralbergkette zwischen Camañas und Alfambra. Auch hier dürfte die rote Farbe vieler Kalksteinbruchstücke durch erhöhte Temperaturen erzeugt worden sein. Probe: P. Bockstaller.

Abb. 13. Basalbrekzie von der Zentralbergkette südwestlich von Aguatón. Man beachte die Gängchen  aus Matrixmaterial, die mehrere Klasten durchschneiden.

Abb. 14. Basalbrekzie von der Zentralbergkette bei Celadas. Es wird angenommen, dass das weiße Material ein Relikt von Karbonatschmelze ist.

Abb. 15. Basalbrekzie aus dem westlichen Becken nordnordwestlich von Villafranca del Campo. Man beachte das Fließgefüge und die multiplen Breziengenerationen. Im Hinblick auf die Bezeichnung „Brekzie“ dürfen die teilweise gut gerundeten Klasten nicht verwundern. Gerundete Komponenten in Impaktbrekzien ist eine wohl bekannte Erscheinung. Interne Rotation unter hohem Druck (Impakt-„Konglomerastisierung“) und randliche Dekarbonatisierung/Schmelzen können als Ursache angesehen werden.

Abb. 16 – 19.  Weitere Basalbrekzien aus dem westlichen Becken nordnordwestlich von Villafranca del Campo: Eine bunte Mischung von Fragmenten aus Buntsandstein, Muschelkalk, Keuper (und ?Jura) und ein merklicher Beitrag von rotem Buntsandsteinmaterial zur Matrix.

Abb. 17. Matrixreiche Basalbrekzie.

Abb. 18. Man beachte die extrem korrodierten, blasigen Kalkstein-Komponenten, die wahrscheinlich starker Hitze ausgesetzt waren.

Abb. 19. Ausgeprägtes Fließgefüge in der Basalbrekzie.

Abb. 20.  Basalbrekzie aus dem östlichen Becken zwischen Visiedo und Perales de Alfambra..

Abb. 21. Basalbrekzie mit ausgeprägtem Fließgefüge. Südwestliche Zentralbergkette zwischen Villarquemado und Celadas.

Abb. 22. Basalbrekzie aus dem südöstlichen Randbereich, südwestlich von El Pobo. Brekzie-in Brekzie, rechts von der Münze

Abb. 23. Weitere Basalbrekzie aus dem südöstlichen Randbereich, südwestlich von El Pobo. Wenige Buntsandstein- und Muschelkalk-Klasten in einer Matrix mit hohem Anteil von Buntsandsteinmaterial.

Abb. 24. Weitere Basalbrekzie aus dem südöstlichen Randbereich, südwestlich von El Pobo mit vorwiegend Buntsandstein-Komponenten. Man beachte die Gängchen aus (?) früherer Karbonatschmelze, die die größere Sandsteinkomponente durchschneiden (Nahaufnahme Abb. 25).

Abb. 25. Nahaufnahme des Anschnitts von Abb. 24. Man beachte das Fließ-in-Fließgefüge der Gängchen.