Moissanit (Siliziumkarbid, SiC)- und Titankarbid (TiC)-Kristalle in einer Matrix aus den Eisensiliziden Xifengit, Gupeiit, Fe2Si (Hapkeit?); Chiemgau-Impakt

Wir erinnern hier an einen interessanten Abstract-Artikel (HIER herunterladen), der auf der Lunar and Planetary Science Conference (LPSC) 2011 präsentiert wurde:

SEM and TEM analyses of minerals xifengite, gupeiite, Fe2Si (hapkeite?), titanium carbide (TiC) and cubic moissanite (SiC) from the subsoil in the Alpine Foreland: Are they cosmochemical? 

Autoren: M. Hiltl 1, F. Bauer 2, K. Ernstson 3, W. Mayer 4, A. Neumair 4, and M.A.  Rappenglück 4 – 1 Carl Zeiss Nano Technology Systems GmbH, Oberkochen, Germany (mhiltletonline.de), 2 Oxford Instruments GmbH NanoScience, Wiesbaden, Germany (frank.baueretoxinst.com), 3 University of Würzburg,Germany (kernstsoneternstson.de), 4 Institute for Interdisciplinary Studies, Gilching, Germany (info@mayer-chiemgau.de, agneumair@arcor.de, mretinfis.org).

 Ergänzung: Inzwischen kann das Fragezeichen hinter dem Hapkeit eliminiert werden; er ist mittlerweile eindeutig als Bestandteil der Eisensilizide aus dem Chiemgau-Impaktstreufeld nachgewiesen worden. –  Siehe hier!

Ergänzend zu den Abbildungen des Abstract-Artikels zeigen wir hier ein Foto (Abb. 1) eines der faszinierendsten Eisensilizid-Partikel, die bisher im Meteoritenkrater-Streufeld des Chiemgau-Impaktes gefunden wurden.

Eisensilizid-Partikel aus Xifengit, Gupeiit, Hapkeit(?) mit Moissanit-Kristallen, Chiemgau-Impakt

Abb. 1. Eisensilizid-Partikel (Bildbreite 2 cm) mit kubischen Moissanit-Kristallen (Details in Abb. 2), die aus einer Matrix herausragen, die überwiegend aus Xifengit (Fe5Si3) und Gupeiit (Fe3Si) zusammengesetzt ist. Außerdem wurde ein weiteres Eisensilizid, stöchiometrisch Fe2Si, analysiert, das das Mineral Hapkeit sein könnte. Hapkeit ist bisher auf der Erde allein vom Meteoriten Dhofar 280 bekannt, von dem angenommen wird, dass er vom Mond stammt. (Anmerkung: Der Wikipedia-Artikel zum Moissanit ist unpräzise, da er im einleitenden Absatz und auch in der Tabelle der Mineraldaten nur vom hexagonalen Kristallsystem spricht. Erst weiter unten bei den Modifikationen wird auch die seltene kubische Modifikation erwähnt.)

REM Aufnahme von Moissanit-Kristallen in Eisensilizid-Matrix, Chiemgau-Impakt

Abb. 2. Rasterelektronenmikroskopische (REM) Aufnahme von Moissanitkristallen der Probe in Abb. 1. Bildquelle Carl Zeiss Nano Technology Systems GmbH.

 

Eine EBSD-Aufnahme von Moissanit-Kristallen zusammen mit Titankarbid-Kristallen in einer Eisensilizid-Matrix zeigt Abb. 3.

EBSD, Xifengit-, Gupeiit- und Hapkeit(?)-Matrix mit Moissanit- und Titankarbid-Kristallen, Chiemgau-Impakt

Abb. 3. Kristalle von Titankarbid (TiC, dunkelgrau) und Siliziumkarbid (Moissanit, SiC, schwarz) in einer Matrix aus Verwachsungen verschiedener Eisensilizide. EBSD-Aufnahme; Probe aus dem Meteoritenkrater-Streufeld des Chiemgau-Impaktes. Bildbreite 500 µm. Bildquelle Oxford Instruments GmbH NanoScience.

 

Interessanterweise hat man das Siliziumkarbid Moissanit (SiC) zusammen mit der Diamant-Varietät Lonsdaleit in Impakt-Schmelzgesteinen des Ries-Kraters (Nördlinger Ries) nachgewiesen:

R. M. HOUGH, I. GILMOUR, C. T. PILLINGER, J. W. ARDEN, K. W. R. GILKESS, J. YUAN & H. J. MILLEDGE (1995): Diamond and silicon carbide in impact melt rock from the Ries impact crater. – Nature, 378, 41-44.

Die Autoren vermuten, dass sich die Minerale im Impakt-Prozess chemisch aus der Ejekta-Dampfwolke bildeten, und sie meinen, dass ihr Vorkommen eine zuverlässige Diagnose für einen Impakt auf der Erde bedeuten könnte.

Im Fall des Chiemgau-Impaktes ist eine andere Deutung wahrscheinlicher. Die unerhört extreme Reinheit der z.T. großen Moissanit- und Titankarbid-Kristalle und ihre Verwachsung mit den Eisensiliziden Xifengit und Gupeiit spricht stark für einen primär kosmischen Ursprung, den mittlerweile weitere Analysenergebnisse nahelegen.

Mutmaßlicher Saarland-Impakt und Chiemgau-Impakt – gehören sie zusammen?

  Gehören sie zusammen? Mutmaßlicher Saarland-Impakt und Chiemgau-Impakt.

Die bereits früher ausgesprochene Vermutung, dass der Chiemgau-Impakt möglicherweise eine Parallele im Saarland hat

http://de.scribd.com/doc/51473614/Ein-moglicher-Meteoritenkrater-im-Saarland

wird durch neue Funde und Befunde erhärtet. Ein entsprechender Update-Artikel kann hier angeklickt werden:

http://de.scribd.com/doc/110982627/Saarland-Impakt-mutma%C3%9Flicher-Meteoriteneinschlag-bei-Nalbach-Prims-Update

Azuara-Impaktstruktur: Das Rätsel der Überschiebung von Daroca – gelöst? Ein Analogon zum Ries-Krater

von Ferran Claudin & Kord Ernstson (2012)

Zusammenfassung

Eine deckenartige Überschiebung von Kambrium über Tertiär, die Daroca-Überschiebung, in Nordost-Spanien hat seit jeher Geologen Kopfzerbrechen bereitet. Da eine Wurzelzone fehlt und kein Relief vorhanden ist, passte die Überschiebung in kein vernünftiges geologisches Schema. In der jüngeren Literatur zur regionalen Geologie wird die Überschiebung trotzdem in die alpine regionale Tektonik einbezogen. Eine offenbar zum ersten Mal durchgeführte gründliche Untersuchung der beteiligten kambrischen und tertiären Einheiten, ihrer Fazies und strukturellen Stellung führt zu einem Modell, das die Daroca-Überschiebung in einer Beziehung zur nahegelegenen, grob 40 km messenden Azuara-Impaktstruktur sieht. Die Überschiebung ist Teil des Exkavations-Stadiums des Kraterbildungsprozesses, der sowohl die kambrische Platte als auch den tertiären Diamiktit darunter betroffen hat. Das Model findet eine starke Stütze in einem Vergleich mit der Ries-Impaktstruktur, wo solche deckenähnlichen Bewegungen und verwandte Befunde auftreten. Die Daroca-Überschiebung liefert ein weiteres Beispiel für die Arbeit der regionalen Geologen, die behaupten, dass das gewaltige Azuara-Impaktereignis mit der Bildung der Azuara-Impaktstruktur und des angrenzenden 70 km langen Rubielos de la Cérida-Impaktbeckens niemals gegeben hat. Deshalb sind all ihre regionalgeologischen Modelle, die weiterhin entwickelt werden und die den Impakt und seinen radikalen Einfluss auf die regionale tertiäre Geologe ignorieren, ohne wissenschaftlichen Wert.

1 Einführung

Ansicht des Städtchens Daroca in der Provinz Zaragoza, Spanien

Abb. 1. Daroca, Provinz Zaragoza, Spanien.

Das hübsche Städtchen Daroca in der spanischen Provinz Zaragoza (Abb. 1) birgt ein ungewöhnliches geologisches Szenario – seit jeher ein Rätsel für Geologen. Über der Stadt thronend zeigt die geologische Stratigraphie mit einem scharfen Schnitt kambrischen Dolomit (den Ribota-Dolomit) über jungen tertiären Sedimenten (Abb. 2). Ältere Schichten über jüngeren ist nichts Besonderes in der Geologie, wobei Schicht-Überkippung und Überschiebung beteiligte Prozesse sind. „Azuara-Impaktstruktur: Das Rätsel der Überschiebung von Daroca – gelöst? Ein Analogon zum Ries-Krater“ weiterlesen

Neue Aufnahmen – Azuara-Impaktstruktur: Megabrekziierung bei Moyuela

Die großen Impaktstrukturen von Azuara und Rubielos de la Cérida in Spanien blicken mittlerweile auf etwa 30 Jahre ihrer Erforschung zurück. Seit den frühen Achtzigern haben wir eine Unmenge von Befunden und Belegen, darunter immer wieder aufregende und spektakuläre, zu diesem einmaligen geologischen Szenario auf der Iberischen Halbinsel beigebracht – trotz vieler und heftiger Opposition von verschiedenen Seiten, Personen und aus verschiedenen Motiven heraus, was an anderer Stelle auf dieser Webseite nachgelesen werden kann. Vieles von dem von uns erarbeiteten geologischen und petrographischen Material wird hier auf den verschiedenen Seiten präsentiert, aber das ist nur ein Teil einer weitaus größeren Ansammlung. Deshalb haben wir uns vorgenommen, hier nach und nach den Komplex der Impaktgeologie von Azuara und Rubielos de la Cérida zu vergrößern, und wir geben die Hoffnung nicht auf, dass ein wenig mehr Geologen angeregt werden, dieses außergewöhnliche und lehrreiche Ensemble von Impaktgeologie, das sich über 120 km Länge erstreckt, aufzusuchen.

Wir beginnen mit einem Aufschlussszenario, das sehr leicht an der Straße bei Moyuela anzusteuern ist (Abb. 1) und das ganz typisch zeigt, welche enormen Zerstörungen der Impakt in den sonst wohlgeschichteten Jura-Kalksteinen angerichtet hat, was normale alpidische Tektonik niemals erklären kann. „Neue Aufnahmen – Azuara-Impaktstruktur: Megabrekziierung bei Moyuela“ weiterlesen

Den Prozess beim Meteoriten-Einschlag verstehen: Impakt im Experiment

Experimentelle Erzeugung von Hochgeschwindigkeits-Einschlagkratern

„… den Prozess beim Meteoriten-Einschlag verstehen: eine einfache Annäherung“ – Zu diesem Menüpunkt gibt es jetzt eine Ergänzung in Form von Aufnahmen mit Hochgeschwindigkeitskameras von einem echten „Überschall“-Impakt im Labor mit Erläuterungen dazu. Ein Video, das die Entstehung eines Impaktkraters zeigt, kann hier durch Anklicken auf das Bild aber auch DORT abgespielt  werden. Resultate weiterer Experimente werden folgen.

Chiemgau-Impakt: ein mutmaßlicher Doppelkrater im Chiemsee

Chiemgau-Impakt: Seit wenigen Jahren gibt es Anzeichen für die Existenz eines Meteoriten-Doppelkraters am Boden des Chiemsees (Abb. 3) im Kraterstreufeld des Chiemgau-Impaktes. Ursprünglich gründete sich die Suche nach einer solchen Struktur auf Berichte von Fischern, nach denen immer wieder ihre Netze durch große scharfkantige Steine am Seeboden zerrissen worden waren. Solche Steine sind aber eindeutig Fremdkörper im See. Einer SONAR-Echolot-Übersichtsvermessung folgte in einem verdächtigen Gebiet eine Detailaufnahme, die in der Tat eine bemerkenswerte Struktur erbrachte – ebenfalls ein Fremdkörper im Chiemsee (Abb. 1) – mit allen Merkmalen eines Doppelkraters mit Ringwall. Die Ähnlichkeit mit einem meteoritischen Doppelkrater vom Mars ist unverkennbar (Abb. 2).

meteoritischer Doppelkrater des Chiemgau-Impaktes

Abb. 1. Der mutmaßliche meteoritische Doppelkrater am Boden des Chiemsees nach SONAR-Echolotmessungen. Die Meterskala bezieht sich auf die gemessenen Wassertiefen.

Ähnlichkeit des Chiemsee-Doppelkraters mit einem Meteoriten-Doppelkrater vom Mars

Abb. 2. Meteoritischer Doppelkrater auf dem Mars (Bildquelle: NASA) und Doppelkrater vom Chiemsee-Boden: Erstaunliche Ähnlichkeit. Die unschärferen Konturen beim Chiemsee-Doppelkrater sind leicht verständlich, da der Impakt ins Wasser und das darunter liegende lockere, wassergefüllte Gestein erfolgte.

Zusätzliche Anzeichen für einen Meteoriteneinschlag in den Chiemsee stellten sich mit dem häufigen Fund von Bimsstein am Seeufer ein (mehr dazu HIER), und hinzu kamen Beobachtungen von geologisch sehr jungen Tsunami-Ablagerungen in Aufschlüssen am See (mehr dazu HIER und HIER).

Karte vom Chiemsee in Südost-Bayern mit dem Doppelkrater

Abb. 3. Der Chiemsee in Südost-Bayern mit dem vermuteten Doppelkrater.

Unglücklicherweise ist die Struktur wegen der Wassertiefe nicht direkt zugänglich.

Die Maniitsoq-Struktur, West-Grönland – eine mögliche gigantische uralte Impaktstruktur

In der Ausgabe vom 1 Juli 2012 der renommierten Zeitschrift Earth and Planetary Science Letters ist ein Artikel erschienen, der über eine vermutete Impaktstruktur der Größenordnung 100 km berichtet. Wenn sich der Befund bewahrheiten sollte, wäre das mit 3 Milliarden Jahren ein Dokument der bisher ältesten bekannten kosmischen Kollision auf der Erde.

Adam A. Garde, Iain McDonald, Brendan Dyck, Nynke Keulen: Searching for giant, ancient impact structures on Earth: The Mesoarchaean Maniitsoq structure, West Greenland. – Earth Planet. Sci. Let., vol. 337-338, 197-210.

Der YDB-Impakt: ein neues Kapitel

… oder „Requiem“ für die Ablehnung der Hypothese?

YDB steht für Younger Dryas Boundary. Die Jüngere Dryas-Zeit (oder auch nur die Jüngere Dryas) steht in der Erdgeschichte für eine scharf einsetzende Kälteperiode von etwa 1000 Jahren in der Zeit zwischen grob 11000 und 10000 v. Chr. und für das Ende des Pleistozän (der „Eiszeit“).

Die Ursachen dieses Ereignisses sind umstritten und werden konventionell in Zusammenhang mit einer Störung der Nordatlantik-Zirkulation gesehen. Im Jahr 2007 erregte eine neue Hypothese Aufsehen (vor allem mit dem Namen Richard Firestone verknüpft), nach der ein gewaltiger Impakt „Der YDB-Impakt: ein neues Kapitel“ weiterlesen